Was uns wirklich nährt, beginnt lange vor dem ersten Bissen: im Boden, auf dem Acker und bei den Menschen, die unser Essen erzeugen. Das ist mein Fazit vom Gaumen-Hoch-Symposium am 7. und 8. Oktober 2026 in Grafenegg. Was der Regenwurm mit unserer Gesundheit zu tun hat, warum billiges Essen manchmal unglaublich teuer ist und was wir selbst beitragen können, damit Ernährung wieder den Stellenwert bekommt, den sie verdient, erfährst du hier.
Inhalt
Das Wichtigste in Kürze
Wir essen jeden Tag. Mehrmals. Ein Leben lang.
Und trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, dass uns das Verständnis dafür, was gutes Essen eigentlich ausmacht, zunehmend verloren geht.
Wir beschäftigen uns mit Kalorien, Proteinen, Nahrungsergänzungsmitteln und den neuesten Ernährungstrends. Wir diskutieren über Superfoods und optimale Nährstoffverteilung. Gleichzeitig wissen viele Menschen kaum noch, wo ihre Lebensmittel herkommen, wie sie erzeugt werden und wie viel Arbeit darin steckt.
Dabei beeinflusst unsere tägliche Ernährung unsere Gesundheit über Jahrzehnte hinweg.
Beim Gaumen-Hoch-Symposium am 7. und 8. Oktober 2026 in Grafenegg ging es genau um diese Zusammenhänge. Unter dem Motto „Was uns wirklich nährt“ kamen Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Gastronomie, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.
Mich hat diese Veranstaltung besonders angesprochen, weil sie so viele Themen aufgegriffen hat, die mich seit mehr als 25 Jahren in meiner Arbeit als Ernährungswissenschafterin beschäftigen.
Und sie hat mich auch daran erinnert, warum ich die Akademie für integrative Ernährung gegründet habe.
Einer der spannendsten Vorträge kam von Martin Grassberger, Mediziner, Biologe und Humanökologe.
Er lenkte den Blick auf die systemischen Zusammenhänge unserer Lebensmittelproduktion.
Wir sehen im Supermarkt einen Preis. Vielleicht freuen wir uns über ein besonders günstiges Angebot. Doch dieser Preis erzählt nur einen Teil der Geschichte.
Was ist mit den Kosten für die Belastung unserer Böden und Gewässer? Was kostet der Verlust biologischer Vielfalt? Welche gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen können bestimmte Produktions- und Ernährungsweisen haben?
Diese Kosten werden in der Wissenschaft als externe Kosten bezeichnet. Sie tauchen nicht vollständig auf dem Preisschild auf, werden aber langfristig von der Gesellschaft getragen.
Im Vortrag ging es auch um Milliardenbeträge, die durch ein anderes Ernährungssystem vermieden werden könnten.
Für mich steckt dahinter eine wichtige Frage:
Können wir uns Lebensmittel, die scheinbar billig sind, auf Dauer überhaupt leisten?
Und noch eine Frage gehört dazu: Können jene Menschen, die unser Essen produzieren, von ihrer Arbeit gut leben?
Beim Symposium waren viele Biobäuerinnen und Biobauern vertreten. Menschen, die täglich erleben, wie schwierig es sein kann, verantwortungsvoll Lebensmittel zu erzeugen und gleichzeitig wirtschaftlich zu bestehen.
Wir sprechen häufig davon, dass gesunde Ernährung für alle erschwinglich sein muss. Das ist richtig und wichtig. Aber wir brauchen auch Bedingungen, unter denen gesunde Lebensmittel entstehen können und die Menschen dahinter eine Zukunft haben.
Ein weiterer Gedanke, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, kam von Alfred Grand, der sich intensiv mit regenerativer Landwirtschaft und Bodengesundheit beschäftigt.
Wir können Böden bearbeiten, düngen und bewirtschaften. Aber einen lebendigen, fruchtbaren Boden mit seinen komplexen biologischen Beziehungen können wir nicht einfach industriell herstellen.
Regenwürmer, Mikroorganismen, Pilze und unzählige weitere Bodenlebewesen leisten täglich Arbeit, die wir häufig als selbstverständlich betrachten.
Das passt auch zu einem Begriff, der beim Symposium immer wieder auftauchte: zukunftsfähige Landwirtschaft.
Dabei geht es um mehr als darum, bestehende Ressourcen möglichst lange zu erhalten. Regenerative Ansätze versuchen, die Fruchtbarkeit der Böden, die biologische Vielfalt und natürliche Kreisläufe aktiv zu stärken.
Mich beschäftigt daran vor allem eines: Wir Menschen sind Teil dieser Kreisläufe.
Was mit unseren Böden geschieht, betrifft letztlich auch unsere Ernährung.
Besonders beeindruckt hat mich auch die Geschichte von SEKEM in Ägypten.
Gegründet wurde die Initiative von Ibrahim Abouleish. Sein Sohn Helmy Abouleish führt die Arbeit weiter.
Was einst als außergewöhnliche Vision begann, hat gezeigt, dass selbst unter schwierigen Bedingungen Landwirtschaft, Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Verantwortung zusammen gedacht werden können.
SEKEM verfolgt eine langfristige Vision für das Jahr 2057: biologische und biodynamische Landwirtschaft in Ägypten verbreiten und gleichzeitig ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wandel fördern.
Ein Begriff ist mir dabei besonders hängen geblieben: „Economy of Love“, Wirtschaft der Liebe.
Vielleicht klingt das für manche ungewohnt. Für mich steckt darin eine wichtige Haltung: Wirtschaftliches Handeln sollte immer auch berücksichtigen, welche Auswirkungen es auf Menschen, Gemeinschaften und unsere Lebensgrundlagen hat.
Was wäre möglich, wenn wir diese Frage häufiger stellen würden?
In der Ernährungsberatung sprechen wir über Gemüse, Ballaststoffe, Eiweiß, Fette und Kohlenhydrate.
Das ist wichtig. Aber Ernährung beginnt bereits am Acker, im Boden und bei den Menschen, die unsere Lebensmittel erzeugen.
Sie beginnt auch mit der Frage, wie wir einkaufen, kochen und essen.
Wir können im Alltag vieles beeinflussen. Zum Beispiel, indem wir Lebensmittel bewusster auswählen, öfter selbst kochen, saisonale Produkte berücksichtigen, Hülsenfrüchte wieder stärker in unseren Speiseplan integrieren und Lebensmittelverschwendung reduzieren.
Dabei geht es mir keineswegs um Perfektion.
Nicht jeder Mensch hat dieselben finanziellen Möglichkeiten, dieselbe Zeit oder denselben Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln.
Umso wichtiger ist es, Lösungen zu entwickeln, die zu den tatsächlichen Lebensumständen passen.
Genau das verstehen wir in der integrativen Ernährung unter individueller Begleitung.
Ich bin überzeugt, dass wir in Gesundheitsberufen eine besondere Verantwortung haben.
Wir können Menschen dabei unterstützen, Ernährung wieder zu verstehen, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und im Alltag gute Entscheidungen zu treffen.
Dazu brauchen wir Fachwissen über Nährstoffe und Stoffwechsel. Gleichzeitig müssen wir verstehen, welche Rolle Verdauung, Lebensrhythmus, Essgewohnheiten und die persönliche Lebenssituation spielen.
In der integrativen Ernährung verbinden wir dafür moderne Ernährungswissenschaft mit den Denkmodellen der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Die TCM ergänzt unsere Betrachtung beispielsweise um Fragen nach Wärme, Bekömmlichkeit, Essrhythmus und individuellen Reaktionsmustern. Wissenschaftliche Erkenntnisse helfen uns, Empfehlungen kritisch einzuordnen und fachlich zu begründen.
Mich interessiert dabei besonders, wie aus diesem Wissen alltagstaugliche Veränderungen entstehen.
Denn auch die beste Empfehlung bringt wenig, wenn ein Mensch sie in seinem Leben nicht umsetzen kann.
Das Symposium fand am 7. und 8. Oktober 2026 in Grafenegg statt, unter dem Motto „Was uns wirklich nährt“. Menschen aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Gastronomie, Wirtschaft und Gesellschaft kamen zusammen.
Kosten, die nicht vollständig im Preis stehen, aber langfristig von der Gesellschaft getragen werden, zum Beispiel für die Belastung von Böden und Gewässern, den Verlust biologischer Vielfalt sowie gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen.
Regenerative Ansätze versuchen, die Fruchtbarkeit der Böden, die biologische Vielfalt und natürliche Kreisläufe aktiv zu stärken. Es geht um mehr, als bestehende Ressourcen möglichst lange zu erhalten.
Eine Initiative in Ägypten, gegründet von Ibrahim Abouleish und heute von Helmy Abouleish weitergeführt. Ihre Vision für das Jahr 2057: biologische und biodynamische Landwirtschaft verbreiten und gleichzeitig ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Wandel fördern.
Lebensmittel bewusster auswählen, öfter selbst kochen, saisonale Produkte berücksichtigen, Hülsenfrüchte stärker in den Speiseplan integrieren und Lebensmittelverschwendung reduzieren. Perfektion ist dabei nicht das Ziel.
Martin Grassberger stellte beim Symposium eine Frage, die mich seither begleitet:
Wie möchte ich ein guter Vorfahre sein?
Was hinterlassen wir den kommenden Generationen?
Welche Böden, welches Ernährungssystem und welches Gesundheitsverständnis?
Und welchen Beitrag können wir heute leisten?
Meine persönliche Antwort ist die Akademie für integrative Ernährung.
Ich möchte Menschen ausbilden, die Ernährungswissen verständlich vermitteln, Verantwortung übernehmen und mit ihrer Arbeit etwas bewirken.
Menschen, die andere dabei unterstützen, gesünder zu leben und wieder mehr Freude am Essen zu entwickeln.
Denn Veränderung beginnt oft viel kleiner, als wir denken: mit einem guten Gespräch, einer neuen Erkenntnis oder einer Mahlzeit, die endlich zum Menschen passt.
Und du? Wie möchtest du ein guter Vorfahre sein? Schreib mir deine Antwort in die Kommentare. Ich lese jede einzelne.
Was ich in Grafenegg gehört habe, erlebe ich in der Praxis jeden Tag im Kleinen: Was auf dem Teller landet, entscheidet mit, wie viel Kraft zurückkommt. Bei erschöpften Klient:innen sehe ich das besonders deutlich.
Vielleicht begleitest du bereits Menschen, die ständig müde sind, schlecht schlafen, Verdauungsprobleme haben oder trotz aller Bemühungen wenig Energie entwickeln.
Gerade bei Erschöpfung zeigt sich, wie wichtig es ist, genauer hinzuschauen und individuelle Zusammenhänge zu erkennen.
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Kostenlos dabei seinIch freue mich auf dich!
Herzliche Grüße,
Claudia
Dr. Claudia Nichterl
und das Team der Akademie für integrative Ernährung
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Kostenlose Spezial-Fortbildung „Erschöpfung & Ernährung“, online per Zoom am 2., 5. und 8. November 2026.
Kostenlos dabei seinFür Frauen im Gesundheitsbereich, die mit Ernährung arbeiten.
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2., 5. und 8. November · live per Zoom · kostenlos · mit Aufzeichnung

Doktorin der Ernährungswissenschaften · Gründerin der Akademie für integrative Ernährung
1967 mit einer beidseitigen Hüftluxation geboren. Mehrere Operationen, Metallplatten, mit 17 der erste Bandscheibenvorfall. Und Ärzte, die mir sagten: „Mit 30 brauchen Sie ein künstliches Hüftgelenk.“ Mit 22 drohte die Frühpension.
Ich ließ das nicht mit mir machen. Ich studierte Ernährungswissenschaften in Wien, promovierte in Mexiko und entdeckte dort die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin. Plötzlich ergab alles Sinn: wie Körper, Geist und Alltag ineinandergreifen. Wie Ernährung weit mehr ist als Kalorien, Eiweiß, Fett und Vitamine.
Mit meiner Methode der integrativen Ernährung habe ich die vorausgesagte Hüftoperation um mehr als 20 Jahre hinausgezögert. Mit 55 kam das künstliche Gelenk dann doch. Zu meinem Zeitpunkt, nach einem Leben voller Bewegung.
In über 8.000 Beratungen habe ich erlebt, was Essen wirklich kann. Heute bilde ich Frauen im Gesundheitsbereich aus, die Ernährung gezielt in ihrer Praxis einsetzen. Über 500 Absolvent:innen in 17 Ländern zeigen das jeden Tag. Meine 34+ Koch- und Sachbücher stehen in Arztpraxen genauso wie in Küchen zu Hause. Mein Fachbuch „Integrative Ernährung“ ist 2025 in zweiter Auflage bei Springer erschienen.
Ich bin überzeugt: Der klügste Hebel im Gesundheitssystem liegt auf dem Teller.
„Der Mund ist das Tor zur Gesundheit. Jeden Tag.“
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