Viele Menschen wissen genau, was ihnen guttun würde. Sie möchten gesünder essen, sich mehr bewegen, Gewicht reduzieren oder besser für sich sorgen.
Und trotzdem bleibt die Veränderung aus.
Mehr Informationen, strengere Pläne und zusätzlicher Druck helfen dann selten weiter. In der Beratung braucht es eine Gesprächsführung, die Menschen dabei unterstützt, ihre eigenen Gründe für eine Veränderung zu erkennen.
Genau hier setzt Motivational Interviewing, kurz MI, an.
Warum Druck häufig Widerstand auslöst
Was Motivational Interviewing so wirksam macht
Wie du Ambivalenz im Gespräch erkennst
Welche Fragen Veränderung fördern
Warum deine Klient:innen mehr reden sollten als du
Wie du motivierende Gesprächsführung praktisch lernst
„Sie müssen dringend abnehmen.“
„Sie dürfen das nicht mehr essen.“
„Sie müssen sich einfach besser an den Plan halten.“
Solche Aussagen sind meist gut gemeint. Bei Klient:innen kommen sie jedoch schnell als Bevormundung, Kritik oder zusätzlicher Druck an.
Die Folge: Sie rechtfertigen ihr Verhalten, ziehen sich zurück oder stimmen im Gespräch zu, ohne später etwas zu verändern.
Im Fachartikel „Mut zur Veränderung“ wird beschrieben, dass selbst sanfter Druck als Einschränkung der eigenen Autonomie erlebt werden kann. Motivational Interviewing verzichtet deshalb auf Konfrontation und Manipulation. Beratende begegnen ihrem Gegenüber auf Augenhöhe und versuchen, dessen Sichtweise wirklich zu verstehen.
Motivational Interviewing ist eine klientenzentrierte und gleichzeitig zielgerichtete Form der Gesprächsführung.
Die Motivation wird nicht von außen auferlegt. Sie wird im Gespräch sichtbar gemacht und weiterentwickelt.
Dabei geht es unter anderem um:
persönliche Ziele und Werte
Vor- und Nachteile des bisherigen Verhaltens
Bedenken gegenüber einer Veränderung
vorhandene Stärken und frühere Erfolge
realistische nächste Schritte
Durch offene Fragen beginnt die Person, laut über Veränderung nachzudenken. In der Fachsprache wird dieser Prozess als Change Talk bezeichnet.
Das entlastet auch dich als Berater:in. Du musst niemanden überzeugen. Deine Aufgabe besteht darin, aufmerksam zuzuhören, passende Fragen zu stellen und die Antworten so zusammenzufassen, dass dein Gegenüber die eigenen Gedanken klarer erkennen kann.
Veränderung ist selten eindeutig.
Ein Teil der Person möchte etwas ändern. Ein anderer Teil möchte am Gewohnten festhalten.
Eine Klientin möchte zum Beispiel ihren Heißhunger reduzieren, weil sie sich Sorgen um ihre Gesundheit macht. Gleichzeitig gibt ihr das Essen Trost, Entspannung oder eine kurze Pause vom Alltag.
Diese innere Zwiespältigkeit wird als Ambivalenz bezeichnet.
Ambivalenz ist kein Zeichen mangelnder Disziplin. Sie zeigt, dass es gute Gründe für beide Seiten gibt. Genau diese Gründe werden im Motivierenden Gespräch erkundet.
Geeignete Fragen sind zum Beispiel:
Was spricht aus Ihrer Sicht dafür, das bisherige Verhalten beizubehalten?
Welche Nachteile sehen Sie darin, so weiterzumachen wie bisher?
Was würde Ihnen eine Veränderung erleichtern?
Damit entsteht Raum für ehrliche Antworten. Erst wenn beide Seiten ausgesprochen werden dürfen, kann eine tragfähige Entscheidung entstehen.
Gute Fragen öffnen eine Tür. Sie geben Klient:innen die Möglichkeit, eigene Zusammenhänge zu erkennen und persönliche Gründe für eine Veränderung zu formulieren.
Was würde sich in Ihrem Leben verbessern, wenn Sie dieses Verhalten verändern könnten?
Wie würde sich Ihr Alltag verändern, wenn Sie das Thema besser in den Griff bekommen?
Was wäre das Beste, das durch diese Veränderung passieren könnte?
Welche positiven Veränderungen möchten Sie in den nächsten sechs Monaten sehen?
Wie passt Ihr derzeitiges Verhalten zu Ihren wichtigsten Zielen?
Wie könnte diese Veränderung Ihnen helfen, Ihre langfristigen Ziele zu erreichen?
Wann ist Ihnen in der Vergangenheit bereits eine Veränderung gelungen?
Was hat Ihnen damals geholfen?
Was wäre ein erster kleiner Schritt, den Sie jetzt gehen könnten?
Diese Fragen lenken den Blick auf Möglichkeiten, Ressourcen und konkrete nächste Schritte.
In vielen Beratungen spricht die Fachkraft den größten Teil der Zeit.
Sie erklärt, informiert, empfiehlt und versucht, alle wichtigen Inhalte unterzubringen.
Beim Motivational Interviewing verschiebt sich dieses Verhältnis.
Dein Gegenüber bekommt mehr Raum, die eigene Situation zu beschreiben, Widersprüche zu erkennen und persönliche Argumente für eine Veränderung zu entwickeln.
Treffende Zusammenfassungen unterstützen diesen Prozess. Die Person hört ihre eigenen Gedanken noch einmal in verdichteter Form und kann sie weiterentwickeln. Der Fachartikel beschreibt, dass sich eine gelungene Gesprächsführung unter anderem daran zeigt, dass sich Klient:innen stärker beteiligen und mehr Redezeit übernehmen.
Ein guter Leitsatz für die Praxis lautet deshalb:
Mehr fragen. Aufmerksamer zuhören. Weniger überzeugen.
Motivational Interviewing lässt sich nicht allein durch Lesen lernen.
Du brauchst Übung, Feedback und die Möglichkeit, verschiedene Gesprächssituationen auszuprobieren. Denn im echten Beratungsgespräch kommt es darauf an, im richtigen Moment die passende Frage zu stellen, Ambivalenz zu erkennen und nicht vorschnell in den Erklärmodus zu wechseln.
Genau das trainieren wir im September in START.klar, unserem Praxistraining für wirksame Ernährungsberatung.
Du lernst dort unter anderem:
Beratungsgespräche klar zu strukturieren
mit gezielten Fragen tiefer zu kommen
Empfehlungen verständlich und alltagstauglich zu vermitteln
schwierige Gesprächssituationen sicherer zu führen
in Rollenspielen zu üben und direktes Feedback zu erhalten
dein Fachwissen in eine Beratung zu übersetzen, die Menschen wirklich umsetzen können
START.klar verbindet Gesprächsführung, praktische Beratungswerkzeuge und persönliche Übung. So wächst aus Wissen Schritt für Schritt echte Beratungskompetenz.
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Herzliche Grüße,
Dr. Claudia Nichterl
Akademie für integrative Ernährung
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Gründerin der Akademie für integrative Ernährung
Mit einer beidseitigen Hüftluxation 1967 geboren. Mehrere Operationen, Metallplatten, Bandscheibenvorfall mit 17 – und Ärzte, die mir sagten: „Mit 30 brauchen Sie ein künstliches Hüftgelenk." Mit 22 drohte die Frühpension.
Ich ließ das nicht mit mir machen. Ich studierte Ernährungswissenschaften, promovierte – und entdeckte in Mexiko die Kraft der Traditionellen Chinesischen Medizin. Plötzlich ergab alles Sinn: wie Körper, Geist und Alltag ineinandergreifen. Wie Ernährung weit mehr ist als Kalorien, Eiweiß, Fett und Vitamine.
Mit meiner seit 1985 erprobten und laufend weiterentwickelten Methode der integrativer Ernährung konnte ich die vorausgesagte Hüftoperation um mehr als 20 Jahre hinauszögern.
In über 8.000 Beratungen durfte ich erleben, was Essen wirklich kann. Heute bilde ich Frauen aus, die das Gesundheitssystem verändern möchten – denen bewusst ist, welch großer Hebel Ernährung ist. Mehr als 500 Frauen und einige Männer habe ich ausgebildet, die es heute täglich in ihrer Praxis beweisen. Meine Autorin von 34+ Koch- und Fachbücher sind in Arztpraxen genauso zu finden wie in Privathaushalten.
Ich bin überzeugt: Der klügste Hebel im Gesundheitssystem liegt auf dem Teller.
„Der Mund ist das Tor zur Gesundheit."
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