Dr. Claudia Nichterl - Akademie für integrative Ernährung

Zuckerfrei Challenge - NEIN Danke

Mar 08, 2023

Wer mich kennt, weiß: Ich bin ein supertoleranter Mensch. Aber es gibt etwas, was mich echt aufregt und deswegen gibt es hier mal einen RANT anstelle eines Blogs von mir. Was ist ein „rant“? Das Wort kommt ursprünglich aus dem Dänischen „randten" oder auch vom deutschen "rantzen", einmal so richtig schimpfen und sich aufregen. In Wien sagt man "grantig" - das hängt wohl auch damit zusammen. Heute ist mir danach. Warum? Weil Fastenzeit ist und alle brüsten sich wieder damit, worauf sie verzichten. Allem voran – ZUCKERFREI. Eine zuckerfrei Challenge reiht sich an die nächste ... warum mich das aufregt?

 

"Zucker ist GIFT" predigen Gesundheitsapostel:  Zucker ist böse, Zucker ist Sünde

Ich finde das aus mehreren Gründen problematisch ⬇️

 

Die arme Zuckerrübe – hat sie das verdient?

Hast du dir schon einmal überlegt, woraus Zucker hergestellt wird? Zucker wird entweder aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr hergestellt – im weitesten Sinne ist das Gemüse, eine Pflanze, ein Naturprodukt. Ja es wird verarbeitet….aber schauen wir mal genauer hin, vieles wird verarbeitet, damit es essbar ist, lagerbar ist, das ist bei Steviapulver, Kokosblütenzucker, Erythrit und wie all die Ersatzstoffe heißen genauso. Und die sind keine bösen Industrieprodukte? Egal wieviel Chemie, Energie bei der Herstellung eingesetzt wird, egal wie weit sie reisen. Ich lebe in Wien und da wachsen Zuckerrüben am Stadtrand, in Bio-Qualität, ein regionales, biologisch, einwandfreies Produkt. Die Herstellung ist weniger industrialisiert, wie man gemeinhin glaubt, es ist ein einfacher Prozess im Gegensatz zur Herstellung von Birkenzucker oder anderen Zucker-Alternativen. Hier findest du ein Video zur Zuckerherstellung auf YouTube

 

Die Dosis macht aus Zucker Gift

Zucker als Dämon darzustellen, fördert das Lebensmittel in gesund oder ungesund eingeteilt werden. Wir erinnern uns „Die Dosis macht das Gift“, so ist es beim Zucker und bei Kohlenhydraten generell. Ja wir essen zu viel Zucker, ja, viele essen zu viele Kohlenhydrate…. keine Frage. Aber wäre es nicht besser, sich auf ein genussvolles, ausgewogenes Ess-Verhalten zu konzentrieren, als einzelne Lebensmittel immer zu verteufeln. Die Dämonisierung macht nur eines, sie fördert das schlechte Gewissen, sie fördert, dass Menschen, meist Frauen, sich als Versagerinnen fühlen, weil sie Zucker essen. Ein entspanntes Essverhalten schaut anders aus. Psycholog:innen sprechen bereits von „Nutrition is the new fashion“, wo Menschen mit ihrem Essverhalten ihren persönlichen Lifestyle definieren und sie quasi süchtig nach Anerkennung dafür werden. Das berühmte „Du bist, was du isst“ von Ludwig Feuerbach ist aktueller als je zuvor. Die persönliche Wahl des Ernährungsstils wird Ausdruck einer Selbstinszenierung und geht Richtung Erhabenheit und Ersatzreligion, wobei ich bei den Durchführenden ja einen Hang zu Verantwortung, Gesundheit vermute. Vermutlich vermischen sich Motive, ob bewusst oder unbewusst, aber es macht was mit uns als Gesellschaft. Wir befolgen Regeln und erheben uns über andere, die es nicht schaffen, den Regeln zu entsprechen – und die fühlen sich dann wieder klein und als Versager. Das finde ich nicht gut!

 

Eine wahre Lady genießt und schweigt

Achtung Trigger – böser Witz: Woran erkennst du eine Person, die keinen Zucker isst? Sie erzählt es dir ständig….so ähnlich, wie ich esse nur mehr glutenfrei, ich ernähre mich vegan oder ich habe keinen Fernseher. Auf unangenehme Weise vermittelt das: ich bin dir überlegen und Zucker ist der Teufel. Man könnte das ganze ja pragmatisch sehen – es gibt Fitness-Studios, es gibt Zahnbürsten, lass die Leute doch Zucker essen, wenn sie wollen. Du brauchst niemand bekehren, essen ist etwas sehr persönliches. Vielleicht suchen die Zuckerverweigerer auch nur Applaus, ein bisschen Lob als Ersatzbefriedigung, wenn sie schon auf alles verzichten und dem Genießen abgeschworen haben. Genieße dein zuckerfrei Dasein und schweige – DANKE!

 

Oh Wunder, kein Zucker und ich bin geheilt

Faszinierend finde ich, was die Zuckerabstinenz alles an positiven Veränderungen auslöst – angeblich: kein Stress mehr, keine Pickel, keine Müdigkeit, kein Long Covid, keine Schlafstörungen, sogar Krebs wird dadurch geheilt – das klingt ja nach Supermedizin! Ich bin seit 20 Jahren Ernährungsberaterin. JA, Ernährung wirkt! JA, ich habe wahre „Wunder“ gesehen, wenn Menschen sich für typgerechte ausgewogene Ernährung entscheiden. Aber es galt immer die 80:20 Regel, dh. 80 % hochwertig, frisch, gesund essen und 20 % SÜNDE, ohne schlechtes Gewissen. Alles darf sein, Vielfalt statt Verbote – aber mit Maß und Ziel. Und da war sicher das ein oder andere Mal Zucker dabei und trotzdem purzelten die Kilos, sank der Blutdruck, konnte ein insulinpflichtiger Diabetes verhindert werden etc. Es geht ohne Dämonisierung und JA, ein gesunder Bewegungs- und Ernährungsstil ist zu befürworten.

 

Bitte lernt die Grundlagen der Ernährungswissenschaft!

Kritisch sehe ich auch die Hysterie, die manchmal auftritt. Immer wieder höre ich Geschichten von erschütterten Müttern, weil es bei einem Kinder Geburtstag, was mit Zucker gegeben hat, so als hätte die gastgebende Mutter Heroin in den Geburtstagskuchen gemischt. Die Empörung ist groß und gleichzeitig wird dem Kind die glutenfreie Reiswaffel in den Mund gesteckt – jetzt wird es wirklich kurios bzw. entlarvt es Blogger:innen, Gesundheitscoaches, Influencer:innen und empörte Eltern.

Hier ist der wahre Grund warum ich mich so aufrege……viele, die Zuckerfrei-Challenges anbieten und so begeistert mitmachen, sie kennen oft die Grundlagen der Ernährungslehre nicht oder sie verstehen keine Zusammenhänge. Zucker wird verteufelt und dann gibt es Trockenfrüchte, Getreide, Nudeln, Smoothies mit Bananen……das regt mich wirklich auf, warum? Weil das alles purer ZUCKER ist, deiner lieben Bauchspeicheldrüse ist ziemlich egal, wo der Zucker (=Glucose oder Traubenzucker) herkommt, ob aus der Reiswaffel oder aus dem Löffel Zucker im Kaffee. Es ist alles Glucose für deine Körperzelle. Das ist reine Augenauswischerei und entlarvt das Halbwissen und die Fehlinformation, die da verbreitet wird.

 

Sicherheit & Kompetenz in Ernährungsfragen

Gerade im Ernährungsbereich gibt es viele Meinungen und viele Trends. Du bildest dich weiter, lernst neues, machst Erfahrungen - was bleibt ist die Unzufriedenheit, denn es fehlt die Umsetzungskraft und sehr oft auch das Vertrauen in sich selbst - gekoppelt mit der Sorge etwas falsch zu machen. Die Methode der integrativen Ernährung setzt genau hier an und bringt Menschen in die Umsetzung - dich, wenn du es lernst und deine Kunden, weil sie es durch dich anwenden. Du gewinnst von Beginn an Sicherheit und Kompetenz. Durch die integrative Ernährung wirst du als Experte wahrgenommen.

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Interessante Fakten zu Zucker

Noch ein Wort zu den so verherrlichten Zuckerersatzstoffen in großen, bunten und oft teuren Dosen, die ein „Naschen ohne Reue“ versprechen. Einige davon haben zwar kaum Kalorien, sind aber Industrieprodukte und oft gestreckt mit Zusatzstoffen. Xylit (Birkenzucker) ist ein sogenannter Zuckeralkohol, der für viele Menschen verdauungsmäßig eine Herausforderung ist, Blähungen und Durchfall treten auf und Langfristfolgen für das wichtige und wertvolle Mikrobiom, unsere Mitbewohner im Darm, sind aktuell Gegenstand der Forschung. Die Vermutung, dass diese Zuckerersatzstoffe das Leben der guten Bakterien beeinträchtigen, ist hoch. Ich bin seit 20 Jahren Ernährungsberaterin und manchmal rutscht mir wirklich ein zynisches „mit den ganzen fragwürdigen Trends geht mir zum Glück die Arbeit nie aus“ raus. Reizdarm-Syndrom, Unverträglichkeiten, Darmbeschwerden sind massiv am Ansteigen, kein Wunder. Alternativen wie Agavendicksaft, Dattelpaste etc. sind voll mit Fruchtzucker, der auch so schon den Menschen große Probleme macht.

Hier ein kleiner Exkurs in die Grundlagen der Chemie:

Haushaltszucker (Saccharose) ist ein sogenannter Zweifachzucker, der aus 1 Teil Glucose (Traubenzucker) und 1 Teil Fructose (Fruchtzucker) besteht, 50:50, eine wunderbar ausgewogene Mischung. Alternativen wie Agavendicksaft haben einen wesentlich höheren Fructose-Anteil und machen den etwa 20 % der Bevölkerung, die eine Fructose-Intoleranz haben große Probleme. Also genau hinschauen, wie die Verteilung von Glucose und Fructose ist, die 50:50 Aufteilung bei der Zuckerrübe = Haushaltszucker ist eigentlich ideal. Und wenn wir schon bei der Chemie sind, da passen die Kalorien dazu. Honig, Agavendicksaft, Apfeldicksaft, Ahornsirup haben zwar etwas weniger Kalorien als Zucker, das ist aber auf den höheren Wassergehalt zurückzuführen, was auch eine etwas geringer Süßkraft bedeutet, dh. man nimmt dafür eine größere Menge. Kokosblütenzucker ist kalorisch quasi gleich wie Zucker, Birkenzucker hat 240 kcal/100g im Vergleich zu 400 kcal/100 g. Keine Kalorien liefert Stevia.

 

Qualität vor Quantität

Bitte liebe moderne, kluge Menschen informiert euch und mäßigt eure Sprache bzw. hört auf andere zu bewerten oder euch über den Verzicht zu definieren. Ja, weniger Zucker ist fein, weniger Überfluss, mehr Bewusstsein für frische, hochwertige Nahrung wäre generell gut. Bitte tut nicht so, als würde euch der Schokoriegel „überfallen“, ihr seid keine Opfer. Organisiert euch, strukturiert euren Tag, genießt ein gutes Frühstück als Start in den Tag, das ist die Beste Prävention vor Heißhunger, vor allem, wenn es typgerecht ist und deinen Stoffwechsel-Typ unterstützt. Gönnt euch Pausen, um nicht vor lauter Stress und Erschöpfung in der Süßigkeiten-Falle zu landen. Kocht euch mindestens 1 x am Tag ein gutes Essen mit Genuss – ohne Verbote. Esst regelmäßig, um gut genährt eure Herausforderungen zu meistern, ohne Heißhunger-Attacken. Gönnt euch ausreichend Schlaf, dann braucht ihr keine „Zuckerspritze“. Und ja, wenn ihr das alles macht, du erinnerst dich 80:20 Regel, genieße hin und wieder ein Dessert oder eine kleine Nascherei und achte auf die Qualität. Gedankenlos Süßigkeiten in dich reinzustopfen hat negative Auswirkungen, auf dich und deine Gesundheit und du unterstützt ein System, das auch schön langsam weichen darf. Wusstest du, dass allen in Afrika etwa 1,5 Millionen Kinder unter 12 Jahren auf Kakaoplantagen arbeiten. Konventionell, herkömmliche Süßigkeiten tragen dazu bei, dass Kinder schwer arbeiten müssen, ein Kakaosack wiegt 40-60 kg und sie sind Umweltgiften ausgesetzt, all die Spritzmittel, Pestizide, Herbizide – das muss nicht sein. Weniger Süßigkeit, dafür mit Qualität, aus fairem Handel, vielleicht von engagierten Produzenten wie www.zotter.at oder du entscheidest dich gleich für einen gesunden Apfel, gerne auch als Mus oder Kompott oder Apfelstrudel.  Kleiner Tipp: bei den meisten Rezepten kannst du den angegebenen Zuckergehalt um 30-50 Prozent reduzieren. Vor allem, wenn Obst dabei ist, brauchst du meist keinen zusätzlichen Zucker mehr. So auch meine Empfehlung, wenn Fruchtjoghurt, dann ein Naturjoghurt mit frischem Obst, dann brauchst du kein Industrieprodukt mit Zuckerersatzstoffen. Und nochmals, ob du eine Banane isst oder 1-2 Kekse, am besten selbst gebacken, beides liefert Glucose und somit Zucker. Auch der vegane raw cake mit Datteln ist Zucker pur, Datteln sind ähnlich wie Zucker 50:50 Glucose und Fructose, das eine kommt von der Dattel, das andere von der Zuckerrübe – also entspannt euch. 

 

Schluss mit Schuld und Scham

Zum Abschluss ein Hinweis zu einem Experiment aus den USA eines Psychologen, der in einem Versuch Probanden ein Stück Schokoladenkuchen gezeigt hat. Die Frage war: Was geht beim Anblick des Kuchens spontan im Kopf vor: SCHULD war die häufigste Antwort. Als sei ein Dessert etwas, was es aus moralischen Gründen zu eliminieren gibt.

Meine Meinung: mit Zuckerfrei Challenges fördern wir die Einteilung in gesund und ungesund, die ich höchst problematisch finde. Es gibt schon genug Schuldgefühle, die uns quälen, viel zu viel Scham, die uns hindert, ein freudvolles, selbst bestimmtes Leben zu führen. Nicht alles, was zuckerfrei ist, ist automatisch gut. Das sehen wir bei den Light-Produkten, die mit Zusatzstoffen und mehr Fett gepimpt werden, damit es geschmacklich erträglich ist.

Weniger Zucker, weniger Süßigkeiten, ein maßvolles, ausgewogenes Ess-Verhalten ohne Verbote ist die beste Voraussetzung für ein gesundes Leben. Zucker oder Süßes ist etwas Besonderes, das wussten bereits unsere Großeltern. Hin und wieder süßes mit Genuss ist eine Auszeit im Alltag, vielleicht auch eine Belohnung, eine Erinnerung an etwas aus der Kindheit. Hören wir auf, alles zu dämonisieren und entspannen wir uns.

 

Hugh, ich habe gesprochen!

Das hat gut getan!

 

 

Ich freue mich auf dich!

Claudia

 

Dr. Claudia Nichterl

& das Team der Akademie für integrative Ernährung

 

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